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Weihnachtskekse wie in Großmamas Kindheit

Einfaches Buttergebäck nach einem Rezept aus 1920

Auf der Ofenbank sitzen, den warmen Kachelofen im Rücken und ein gutes Buch in der Hand. Es gibt Abende, da ist das genau die richtige Beschäftigung. Besonders dann, wenn der Lesesstoff richtig fesselnd ist.  Und genau so etwas hatte ich letztens in Händen. Genauer gesagt handelte es sich um zwei gebundene Jahresausgaben einer „Zeitschrift für katholische Mütter und Hausfrauen“ aus dem Jahr 1918 bzw. 1922. Das hört sich aber nicht sehr fesselnd an, meinen Sie? Dachte ich zuerst auch und musste schmunzeln über Artikel, die sich mit Erziehung, Häuslichkeit, der Stellung einer jungen Frau im Hause der Schwiegereltern und den Gefahren „allzu kurzer Röcklein“ beschäftigten.
Die „Briefe aus dem Schützengraben“ allerdings, oder die Tipps zur Versendung von Feldpost und zur Herstellung von preiswertem Brotersatz, die Anleitungen, wie aus alten Herrenmänteln Röcke herzustellen seien und die Artikel, die den Hinterbliebenen der zahlreichen vermissten Soldaten Trost spenden sollten, vermittelten mir auch ein recht lebendiges Bild darüber, was das eigentlich für eine Zeit war, in der meine Urgroßmutter – ich gehe davon aus, dass die Zeitschriften aus ihrem Besitz stammen – lebte. Es war Krieg bzw. Nachkriegszeit und das tägliche Leben war nicht einfach. Die letzte Ausgabe vom Dezember 1922 ist nur ganz dünn, weil einfach nicht mehr Papier zur Verfügung stand.
Welch ein Unterschied zu dem Leben, das ich heute, drei Generationen später, führe. Ich habe wirklich Glück. Klingt abgedroschen, ist aber so. Allein schon die Tatsache, dass diese Zeitschriftenbände von meiner Urgroßmutter, Woferlbäuerin in Bruck an der Glocknerstraße, weitergegeben wurden an ihre Tochter, meine Großmama, Loitzbäuerin in Untertauern, und auch von dieser sorgsam aufbewahrt wurden zeigt, welcher Wert diesen Zeitschriften damals zugemessen wurden. Gemeinsam mit meiner Mutter kamen sie sodann nach Faistenau und sind nun schließlich bei mir, am Oberhabachgut in Koppl gelandet.
 

Die Dezemberausgabe von 1922 habe ich mir aus gegebenem Anlass ganz genau durchgelesen und dabei bin ich auf folgenden Artikel gestoßen:

 

„Aus Christkindleins Backstube“

Für „Einfaches Buttergebackenes“ finden sich dabei folgende Angaben:

¼ Pfund gestoßenen Zucker, ¼ Pfund zerschmolzene Butter, 1/8 Liter Milch und 1 Messerspitze voll Zimt ist gut zu verrühren, dazu ¾ Pfund Mehl zu geben und der Teig gut zu verarbeiten. Dann wird er dünn ausgewellt, mit beliebigen Förmchen ausgestochen und gleich gebacken.

Die Anmerkung „Ein Mißlingen ist bei dem angegebenen, vielfach erproben Backwerk ausgeschlossen.“ hat mich in meinem Entschluss gestärkt, das Rezept selbst einmal auszuprobieren. Gesagt – getan.

 

Aber wie ist das eigentlich mit dem Pfund? Das ist ein halbes Kilo, oder? Und war das 1920 auch schon so? Eine schnelle Abfrage bei Wikipedia – nur so zur Sicherheit – bringt mich leider auch nicht weiter, weil, wie sich herausstellt, es nicht nur ein „Pfund“ gibt, sondern gleich eine ganze Liste davon! Eines aus Bayern, zwei verschiedene aus Bremen, zwei aus England, zwei aus Frankfurt, eines aus Frankreich, eines aus Hamburg, eines aus den Niederlanden, eines aus Österreich und so weiter und so fort. Und jedes ist unterschiedlich schwer! Ich entscheide mich also – sehr rational – für ein Mittelmaß von 500 g, was ja auch am einfachsten zu rechnen ist. Damit kam ich also auf folgendes Rezept.

 

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, der Geschmack ist einfach aber gut, was meinen Mann zu der Bemerkung veranlasste: „Ja, die schmecken wirklich genau so wie die von meiner Oma immer geschmeckt haben!“ Das Experiment scheint also gelungen zu sein. Also: einfach ausprobieren und dann Kekse wie vor 100 Jahren genießen!








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